Das Soldatengrab

Wie Karl Schäfer "Staatsfeind" Lorenz Obert rettete und ein Soldat in die Geschichte Obersinns einging

veröffentlicht in der MAIN-POSTam 03.04.2005

Ostern 1945 steht vor der Tür: Ferner Geschützdonner dröhnt dumpf bis in das sonst so stille Tal der Sinn, die Front rückt immer näher. Auf der Flucht passieren schon seit Tagen Autos aller Gattungen, Pferdegespanne und alle zum Transport geeigneten Fahrzeuge von Burgsinn kommend in die Obersinner Ortsstraße in Richtung des hessischen Jossa.

Darunter auch Truppeneinheiten die sich in nördlicher Richtung eiligst zurückzogen, so dass die Dorfstraße zeitweise vollständig verstopft war. Auffallend war die Fluht der NS-Amtsträger sowie die vielen Offiziere der Wehrmacht aus dem gefährdeten Gebiet.

Bereits einige Tage zuvor war die amerikanische Panzerspitze von Gemünden kommend nach Burgsinn vorgestoßen und hatte dort die Gendarmerie-Beamten Schäfer und Sperzel auf ihren Panzern als Wegweiser mitgenommen. Dass es sich hierbei um die legendäre "Task Force Baum" handelte, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt.

Obersinn war in Furcht, dass das Dorf in die Kampfhandlungen einbezogen werden könnte. Um Obersinn vor feindlichem Beschuss zu schützen, wurden überall weiße Flaggen gehisst. Die Menschen hängten weiße Bettlaken und Tücher aus den Fenstern heraus. Vor allem die Rathäuser und Kirchen waren weiß geflaggt. Alles war zur friedlichen Übergabe bereit, da man einsah, dass jeglicher Widerstand zwecklos sei.

Als die Meldung durchsickerte, dass die US-Panzerspitze von Burgsinn aus nach Gräfendorf abgebogen war, sollte die SS den Ort bestrafen. Er sollte wegen der Hissung der weißen Flagge unter Beschuss genommen werden.

Die SS verhaftete den letzten noch im Dienst befindlichen Gendarmeriebeamten, Lorenz Obert, und verurteilte ihn zum Tod durch Erschießen. Als Grund wurde ihm eine staatsfeindliche Äußerung vorgeworfen: "2000 Jahre haben unsere Väter aufgebaut und in 12 Jahren hat es Hitler zerschlagen." Nur der energische Protest des damaligen Obersinner Gemeindeschreibers und späteren Bürgermeisters Karl Schäfer verhinderte die Erschießung.

Aber noch lag die SS in Jossa und den umliegenden Wäldern von Obersinn und tyrannisierte die Bevölkerung. Durch das plötzliche Eintreffen der Spitzen der amerikanischen Truppen am 4. April 1945, der G-Kompanie des zweiten Bataillons des 17. Infanterieregiments der 45. US-Infanteriedivision aus Richtung Aura und Zieglerfeld, zog die SS schleunigst nach Norden an.

Inzwischen waren mehrere amerikanische Flugzeuge mit schweren Bordwaffen aufgetaucht, so dass die SS bei Jossa erhebliche Verluste erlitt. Besonders den "Ruppertsberg" zwischen Obersinn und dem Weiler Emmerichsthal beschossen die Jagdbomber den ganzen Tag über.

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Autor: Jürgen Gabel

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